Karla Paul von #BloggerfuerFluechtlinge: "Wir sind aktuell bei über 85.000 Euro Spendengeldern!"

Wie heißt Eure Initiative und welches Ziel verfolgt sie ganz konkret?

"Die Aktion heißt #BloggerfuerFluechtlinge und wir wollen die digitale Vernetzung für eine offene Kommunikation gegen Rechts sowie für die Flüchtlingshilfe einsetzen. Wir sammeln Geld über Betterplace, vermitteln Hilfe via Facebook und Twitter und versuchen via Internet Hilfegeber und Hilfesuchende zusammenzubringen."

Welchen Claim, welchen Hashtag nutzt ihr? Welche Kriterien spielten bei der Entscheidung eine Rolle?

"Wir verwenden von Anfang an den Hashtag #BloggerfuerFluechtlinge und darüber kommunizieren wir auch, d.h. wir vernetzen darüber ganz konkret die Blogs sowie sozialen Netzwerke. Es war eine spontane Idee, als wir uns als Blogger für Flüchtlinge engagieren wollten und dafür der passende Hashtag."

Was war der Impuls, eine solche Initiative zu starten?

"Die Ereignisse in Heidenau machten Paul Huizing, Stevan Paul, Nico Lumma und mich sehr wütend und wir wollten online darüber bloggen, warum wir gegen Rechts sind und die Flüchtlinge in unserem Land herzlich willkommen heißen. Wir schrieben jeder einen persönlichen Blogeintrag dazu, verlinkten diese und der Lovestorm ging los ..."

Welche Unterstützer habt Ihr an Bord? Wie habt ihr diese gewinnen können?

"Bisher unterstützen eher wir sehr viele Projekte finanziell (aktueller Spendenstand am 01.09. knapp über 85.000 Euro) und versuchen vielen Unternehmen ein gutes Vorbild zu sein – wir haben bereits einige Anfragen und leiten diese direkt an die vor Ort arbeitenden Flüchtlingsprojekte weiter."

Habt Ihr Kontakt zu anderen Initiativen gesucht und Euch abgestimmt?

"Nein, bisher nicht. Die finanzielle Abwicklung d.h. die Spendensammlung und –verteilung läuft über Betterplace.org. Wir wollen uns aber in Zukunft konkreter um die Vernetzung mit anderen Initiativen kümmern und unsere große Reichweite noch sinnvoller bündeln und gezielter einsetzen."

Über welche Kanäle kommuniziert Ihr? Seht Ihr Unterschiede?

"Wir haben eine Webseite mit hohen Zugriffsraten, eine Facebook-Gruppe mit über 1.400 Mitgliedern sowie einen Twitteraccount, zudem gab es hunderte Blogbeiträge. Wir nutzen jeden Kanal für eine möglichst breite und dennoch effektive Kommunikation, aber vor allen Dingen die Gruppe für die direkte Vermittlung von Helfern und Helfesuchenden:

https://www.facebook.com/groups/887283554699897/
http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de
https://twitter.com/bloggerFF"

Wie waren die Reaktionen bisher? Gab es „Hass“-Kommentare oder entsprechende Mails bzw. starke Unterstützung? Sind Medien darauf angesprungen?

"Es gab innerhalb weniger Stunden und Tage eine unfassbare Unterstützung der Blogger und Leser, die ersten Artikel wurden hundertfach geteilt und unsere Gruppe dazu wuchs von Tag zu Tag und wurde mit fantastischen Ideen, Projekten und Rückmeldungen gefüllt. Sicherlich gab es auch über den ein oder anderen Blog oder per Email einige negative Kommentare aus der politisch rechten Ecke, dies aber sehr selten. Die Medien haben sehr schnell reagiert und sowohl im Radio, Online als auch Fernsehen (z.B. ARD Morgenmagazin) gab es eine sehr große Berichterstattung über den positiven Einsatz der Internetcommunity für Flüchtlinge."

Wie entwickelt sich die Initiative im zeitlichen Verlauf? Gab es zu bestimmten Zeitpunkten besonders positives oder negatives Feedback?

"Es ging täglich steiler bergauf, gleich nach dem Start des Projekts. Wir sind nun seit knapp 10 Tagen damit online und konnten bisher keinen Einbruch feststellen."

Was sind die Ergebnisse bisher?

"Wir sind aktuell bei über 85.000 Euro Spendengeldern via Betterplace, einer FB-Gruppe von 1.400 Helfern, die sich dadurch gegenseitig unterstützen, Projekte vermitteln und Ideen verwirklichen. Wir arbeiten gerade an längerfristigen Projekten, um den tausendfachen Ansturm von sehr engagierten Helfern in die richtigen Kanäle zu leiten und allen eine Möglichkeit der organisierten Hilfe zu gewährleisten."

Teilweise wird von verbalem Wettrüsten gesprochen. Kommuniziert Ihr eher aggressiv oder gemäßigt? Warum?

"Wir kommunizieren eher gemäßigt und versuchen die Ansprache auf sehr freundlichem und höflichem Niveau zu halten. Gerade bei politischen Themen wird es schnell emotional und das hindert meist an kraftvollem Bündeln der Energie für unsere positiven Projekte. Uns geht es aktuell nicht darum die Missstände aufzuzeigen oder politische Probleme zu analysieren, wir wollen so schnell und effektiv wie möglich helfen."

Ausblick: Wohin wird sich das Thema medial und im Social Web entwickeln? Ist die Welle irgendwann vorbei?

"Sicherlich wird das Thema in wenigen Wochen weniger aktuell besprochen, die Menschen gewöhnen sich an alles - dadurch wird es aber nicht weniger wichtig. Gerade im Herbst und Winter brauchen die Flüchtlinge noch größere Unterstützung, warmen und sicheren Wohnraum, Medikamente, Kleidung und viel mehr. Deswegen arbeiten wir aktuell an einer dementsprechenden Kommunikationsstrategie und Kampagnen, um unsere Projekte immer wieder ins Gespräch zu bringen."


Vielen Dank, Karla, für das Interview.


 

Karla Paul, Mit-Initiatorin #BloggerFuerFluechtlinge

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