Interview mit Kai Traemann, Head of editorial Video & Sport Strategy, BILD

Hat sich die Rolle von Fußball-Trainern in der öffentlichen Wahrnehmung in den letzten 20 Jahren verändert? Wenn ja, wie? 

Da die Berichterstattung rund um den Fußball ohnehin immer umfassender und dynamischer wird,  Stichwort Internet, Stichwort Social Media, wird natürlich auch der Trainer immer interessanter. Genau wie der einzelne Spieler.

Jürgen Klopp und Pep Guardiola sind die Super-Stars. Droht den Vereinen, dass sie die Mannschaft und die Club-Marke überstrahlen, auch in der Berichterstattung?

Nein

Der an der Seitenlinie tobende Klopp – ist das ein Pflicht-Foto?

Wenn er tobt, dann tobt er. Wenn er sitzt, dann sitzt er. Wenn er Blumen in der Hand halten würde, dann wäre das unser Foto. Wir berichten über die Ereignisse eines Spiels – und verarbeiten entsprechend die Fotos und bei BILD auch das Bewegtbild. Was leider in der Öffentlichkeit und auch bei Vereinen oder Medien-Kritikern zu kurz kommt: der Star liefert, die Medien berichten entsprechend.

Wir haben festgestellt, dass Klopps Anteil in Überschriften zum BVB doch auffallend hoch ist. Verkauft sich Klopp in einer Headline besser als der BVB?

Wann haben Sie das festgestellt? In den letzten Wochen, wo es um Klopps Zukunft ging? Dann ist es kein Wunder. Grundsätzlich ist Klopp einer, der sich gern vor die Mannschaft stellt, sie schützt und den Fokus auf sich lenkt. Heißt: er tritt in den Vordergrund. Dann wird halt auch über ihn berichtet. Und: Er macht da einen guten Job. Dementsprechend.

Ist das bei Bayern München oder Eintracht Frankfurt anders?

Nein.

Unsere Analyse zeigt, dass „Kloppo“ in der BVB-Welt gesamtmedial eine größere Bedeutung hat als Pep bei Bayern. Kann man sagen: Klopp ist bzw. war der BVB, „Pep“ aber nicht Bayern bzw. andersrum?

Bayern hat noch mehr ,Stars’ als der BVB, mehr Weltmeister. Selbst Reservespieler sind Weltmeister oder Superstars in ihrem Land. Entsprechend verteilen sich dann auch die Geschichten auf mehrere Personen. Beim BVB fokussiert sich das sicher auf ein paar Personen weniger. Ein Durm ist kein Götze.

Würde Eintracht Frankfurt ein hochemotionaler Trainer oder ein internationaler Star-Trainer helfen, um bei BILD anders in Erscheinung zu treten?

Eintracht Frankfurt hatte zuletzt Thomas Schaaf. Den müssen sie nun erstmal ersetzen. Und das wird für die Eintracht schwer genug. Im ersten Schritt würde eine schillernde Figur vielleicht für Furore sorgen. Aber nicht langfristig. Siehe Christoph Daum.“

Spielt die Personalisierung in sozialen Netzwerken eine Rolle für die Berichterstattung? Versucht BILD, bewusst  noch stärker zu personalisieren?

Noch stärker?

Ist ein Trainer-Interview wichtiger als ein Spieler-Interview? Zumindest bei Klopp oder Pep?

Nein! Pep gibt ja ohnehin keine Einzel-Interviews.

Klopp wird mit den Eigenschaften stark/dynamisch, humorvoll & vertrauenswürdig assoziiert. Er bildet den Typus ‚väterlicher Freund‘ ab und wirkt damit sehr nahbar. Guardiola wird mit den Eigenschaften cool/lässig, chic/elegant & Trendsetter assoziiert. Er bildet den Typus ‚cooler Trendsetter‘ und wirkt eher unnahbar. Spielt man medial bewusst mit diesen Stereotypen?

Auch da gilt: beide leben es uns ja auch entsprechend vor. Sie bestimmen, welches Bild sie abgeben wollen. Wichtig ist, dass beide ein klares Bild abgeben, meist klare Aussagen treffen. Viele Spieler hingegen verkaufen sich in der Hinsicht ganz schlecht und sind medial sehr mies beraten. Teils von Beratern, die von der Medienlandschaft keine Ahnung haben.

Würde Klopp zum FC Bayern und Pep zum BVB passen?

Klopp bei Bayern? Auf jeden Fall. Durch diese dynamische, authentische Art passt Klopp zu fast jedem Klub in der Liga. Jeder Fan würde ihn sofort akzeptieren. Pep beim BVB? Auch das würde gehen. Guardiola kommt bis dato sympathisch rüber. Es ist wie bei Klopp: kein Klub, kein Fan würde sich wehren

Das MUNICH DIGITAL INSTITUTE bedankt sich für das Interview.

Hier geht es zur kompletten Digital Analyse Bundesliga 2014/15

Kai Traemann, Head of editorial Video & Sport Strategy, BILD

"Beide würden zu beiden Clubs passen."

  • 26 May 2015
  • Marc Kosicke

Marc Kosicke, Geschäftsführender Gesellschafter von projekt b GmbH (Berater von Jürgen Klopp), über Klopps Vereinbarkeit mit der Marke FC Bayern.

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"Pep ist genauso FC Bayern wie Klopp BVB ist."

  • 26 May 2015
  • Dirk Grosse

Dirk Grosse, Director Sports Communications bei Sky, über die Rollen von Klopp und Guardiola für ihre Vereine.

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"Er würde Bayern kloppoisieren."

  • 26 May 2015
  • Oliver Wurm

Oliver Wurm, Freier Journalist und Medienberater, zum Thema Klopps Markenimage und seine Anpassungsfähigkeit.

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