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Mobile App vs. Responsive Webdesign

Um auf die steigende Anzahl an mobilen Endgeräten und die daraus resultierende hohe Nutzerzahl des mobilen Internets zu reagieren bieten Unternehmen ihre Webseite immer häufiger auch als App oder im responsiven Webdesign für Smartphone-User an. Damit ist gewährleistet, dass die Inhalte einer Website auch auf kleineren Bildschirmgrößen optimal dargestellt werden.

Statistik: Anteil der Nutzer des mobilen Internets via Smartphone in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2013 | Statista

Doch ist eine responsive Webseite wirklich für jeden Internetauftritt zu empfehlen und wann macht eine App besonders Sinn? Viele Experten vertreten hierzu unterschiedliche Meinungen, die sich entweder für eine App oder für ein responsives Webdesign aussprechen. Doch eine pauschale Antwort auf diese Frage ist nicht so leicht zu finden, da sie ganz von der jeweiligen Website und dem Unternehmen dahinter bzw. dessen mobiler Zielgruppe abhängt. Für jedes Unternehmen muss die Entscheidung, welche Variante des mobilen Internetauftritts am sinnvollsten ist, separat getroffen werden, indem zuerst alle Alternativen betrachtet und Vor- und Nachteile gegeneinander abwogen werden.

Außerdem gibt es auch noch weitere Alternativen.

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Was ist responsives Webdesign?

Wird eine Website „responsive“ programmiert, werden die Inhalte je nach Bildschirmgröße vom Desktop bis zum Smartphone skaliert dargestellt, so dass der User komfortabel durch die Seite navigieren kann. Auf dem relativ kleinen Display eines Smartphones werden dafür z.B. einzelne Inhaltsblöcke untereinander statt nebeneinander dargestellt, einzelne Elemente werden ggf. vergrößert und die graphischen Elemente neu skaliert.
Der User sieht also - egal ob er die Website auf dem Smartphone, dem Tablet oder dem Desktop-PC betrachtet - dieselben Inhalte immer optimiert dargestellt.

Die Programmierung einer responsiven Webseite ist in der Regel kostengünstiger als eine App. Bei der Umsetzung einer neuen Website sollte gleich darauf geachtet werden, dass Design und Inhalte für eine responsive Darstellung geeignet sind. Bei bestehenden Webseiten ist es oft schwierig, die bereits existierenden graphischen Elemente auf die verschiedenen Größen der mobilen Endgeräte zu optimieren. Der Aufwand hierfür kann in Einzelfällen sogar dafür sorgen, dass die Umsetzung einer App kostengünstiger sein kann, als eine komplex gestaltete Website nachträglich responsive zu programmieren.
In Hinblick auf Flexibilität und Geschwindigkeit bei Updates sind responsive Webseiten von Vorteil, da die Inhalte für alle Geräte identisch sind und Änderungen rasch vorgenommen werden können.

Allerdings kommt es bei der responsiven Darstellung auf den einzelnen Bildschirmgrößen immer wieder zu Problemen mit älteren Geräten/ Browsern, deren Behebung teilweise extrem zeitaufwändig ist.

Eine responsive Webseite bietet sich besonders für Unternehmen an, die auf ihrer Website lediglich informative Inhalte zur Verfügung stellen und kein komplexes graphisches Design oder eigene Tools verwenden. Ein Konzern mit einer Corporate Website wäre z.B. mit einer responsiven Variante gut beraten, da eine App für den Nutzer hier keinen Vorteil bieten würde. Kontaktdaten, Anfahrt oder Leistungen können über das Smartphone-Display einfach dargestellt und abgelesen werden, ohne dass der Nutzer erst eine App herunterladen muss. Vermutlich würde der Besucher im App Store erst überhaupt nicht danach suchen.

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Wie funktioniert eine App?

Eine „Mobile Application“ ist ein eigenes Programm, welches der User aus dem App Store auf sein Smartphone herunterlädt. Dadurch sind einmal installierte Apps auf dem Smartphone immer vorhanden (wenn sie nicht bewusst deinstalliert werden) und können auch im Offline-Modus verwendet werden. Eine App sollte je nach Zielgruppe jeweils für die 3 Betriebssysteme iOS, Android und Windows separat entwickelt werden.
Apps haben den Vorteil, dass Design und Inhalt speziell für das Display der Smartphones entwickelt wurden und bieten somit ein optimales Nutzererlebnis. Zudem kann eine App auf Programme des Smartphones zugreifen, z.B. auf die Kamera oder das GPS. Damit sind Programmfunktionen möglich, die eine mobile oder responsive Website nicht oder nur eingeschränkt bieten kann.

Besonders empfehlenswert sind Apps außerdem für Dienste im Ausland, da hier vorab Daten offline gespeichert werden und somit Roamingkosten eingespart werden können (z.B. Karten zur Offlinenutzung). Auch bei größeren Datenmengen (z.B. Spiele, Cloudspeicher oder Navigationsdienste) wird fast ausschließlich auf Apps gesetzt.
Allerdings sind die Entwicklungskosten einer App meist relativ hoch und Updates sehr kompliziert und zeitaufwändig. Dies liegt u.a. daran, dass jeweils alle drei oben genannten Betriebssysteme und deren Updateregelungen berücksichtigt werden müssen. Zudem müssen die Inhalte der App meist separat zur bestehenden Website gepflegt werden, d.h. ein Unternehmen hat hier nicht nur anfangs sondern bei jeder Änderung den jeweils doppelten Pflegeaufwand.Ein Unternehmen hat natürlich die Möglichkeit, die hohen Entwicklungskosten der App an die Nutzer weiterzugeben, indem die App im App Store kostenpflichtig angeboten wird. Dies macht allerdings nur Sinn, wenn die App einen großen Zusatznutzen im Vergleich zur Webseite bietet, da der Anreiz des Downloads sonst zu gering ist. Dies ist z.B. bei Spielen für das Smartphone oder Lauftools mit Zusatzfunktionen der Fall.

Generell macht eine App für alle Unternehmen Sinn, die dem User dadurch einen Zusatznutzen im Vergleich zur responsiven Darstellung der Website bieten können. Dieser ist z.B. bei einer Staumelder-App gegeben, da durch die Verwendung des aktuellen Smartphone-Ortes nur die für den Nutzer relevanten Meldungen angezeigt und während einer Autofahrt auch laufend aktualisiert werden können. Ein weiterer Zusatznutzen kann auch darin bestehen, dass z.B. der Bestellprozess bei einem Essenslieferanten oder einer Fahrkarte in einer App wesentlich einfacher und userfreundlicher gestalten werden kann, als bei einer responsiven Webseite auf dem Smartphone-Display.

Die Zwischenlösungen zu Responsive und App: die mobile Website

Wenn das Design einer bestehenden Website extrem komplex ist und sich nur mit sehr hohem Aufwand eine responsive Lösung umsetzen lässt, macht der Einsatz einer mobilen Website Sinn.

Generell sind die Inhalte bei einer mobilen Webseite meist zu einem hohen Prozentsatz identisch mit der Desktop-Version. Zugunsten von Ladezeiten und optimierter Darstellung kann jedoch auf komplexe Elemente oder sogar einzelne Navigationspunkte verzichtet werden (z.B. vielschichtige Formulare oder umfassende Bildergalerien). Damit kann dem User eine für die Smartphone-Displaygröße optimierte Darstellung der Website angeboten werden, jedoch mit dem Vorteil, dass die Inhalte im Vergleich zu einer responsiven Webseite anpassbar sind. Für das Unternehmen entsteht auch kein doppelter Pflegeaufwand wie bei einer App, da die Inhalte für die mobile Webseite aus den Daten für die Desktop-Version verwendet werden, mit der Ausnahme, dass einzelne Bereiche ggf. weggelassen bzw. reduziert werden.

Die mobile Webseite ist dadurch eine gute Alternative für Unternehmen, bei denen sowohl eine App als auch eine responsive Webseite aus unterschiedlichen Gründen nicht in Frage kommen. In der Regel wird dies in der Praxis meist so umgesetzt, dass die Webseite bis auf die Tablet-Displaygröße responsive umgesetzt wird und nur für das relativ kleine Display eines Smartphones die mobile Variante eingesetzt wird.

Fazit

Apps werden bei den Usern immer beliebter. Im Jahr 2014 werden wahrscheinlich doppelt so viele Apps in Deutschland heruntergeladen werden, als noch im Jahr 2012.

Statistik: Anzahl der Downloads mobiler Apps in Deutschland in den Jahren 2009 bis 2012 und Prognose für 2014 (in Millionen) | Statista

Allerdings wird ein Großteil dieser (meist kostenfreien) Apps nur sehr selten verwendet, ungefähr jeder vierte Nutzer verwendet seine Apps nur ein einziges Mal. Dazu kommt, dass immer die gleichen Programme geladen werden, ca. 50% aller Downloads beziehen sich auf ca. 0,1% der im Store erhältlichen Apps.

Welche Art von mobiler Präsenz ein Unternehmen anbieten sollte – App, mobile Website oder responsive Webdesign – ist letztlich abhängig von den Inhalten und der Komplexität der Website, dem vorhandenen Budget und dem Ziel, dass mit dem Einsatz eines mobilen Webauftritts verfolgt wird.

Ein Unternehmen mit rein informativen Inhalten und wenig Nutzerinteraktion auf der Website benötigt in der Regel keine eigene App. Werden hingegen auf der Website eigene Tools angeboten oder User-Accounts verwaltet, kann eine App viele Vorteile bieten.
Viele Online Shop Besitzer bieten eine eigene App für den mobile commerce an. Allerdings sollte auch hier abgewogen werden, ob die zu erwartende Steigerung des Umsatzes durch eine App im Verhältnis zu den Entwicklungs- und Maintenancekosten stehen.

Abhängig vom Budget und dem Unternehmensziel kann es zudem in Einzelfällen auch sinnvoll sein, sowohl eine responsive Website als auch eine eigene App anzubieten. Ferner ist es auch möglich, eine mobile oder responsive Seite vorausgesetzt, einen sogenannten „Webview“ oder „Web App“ im Store bereit zu stellen. Dieser ist nichts anderes als ein grafisch angepasster Webbrowser, der die bestehenden Webseiten online darstellt, allerdings mit dem Vorteil, trotzdem im App Store vertreten zu sein. Eine bestehende Onlineverbindung ist dann natürlich wieder notwendig. Da sie gegenüber der parallel bestehenden Seite allerdings für den Nutzer keinen Mehrwert bieten, werden sie beim sogenannten „review process“ im App Store immer häufiger abgelehnt.